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Bundesligatennis: In Berlin fehlte das Quäntchen Glück

Walk on Court:

Das Marienburger Team will in Berlin an den jüngsten Heimsieg anknüpfen. Schritt für Schritt in eine neue Ära. (Archivbild)
Nach der Euphorie des Heimsiegs machten sich die Marienburger direkt auf den Weg in die Hauptstadt. Am 20. Juli trafen sie dort auf das dritte Berliner Team der Liga: den traditionsreichen TC 1899 Blau-Weiss Berlin.

Die Hauptstädter erwischten einen Fehlstart in die Saison. Nach einer deutlichen 1:8-Niederlage zum Auftakt standen sie zunächst als Tabellenletzter der 2. Bundesliga da. Ein Blick auf ihre Meldeliste zeigt jedoch das Potenzial des Teams: Der an Position eins gemeldete Spieler rangiert auf Platz 168 der ATP-Weltrangliste, der neunte noch immer auf Platz 484.

Im zweiten Saisonspiel wendete sich das Blatt: Mit einem klaren 8:1-Sieg gegen den Oldenburger TeV kletterte Blau-Weiss Berlin in der Tabelle direkt auf Rang vier.


Lorenzo Bocchi rückt auf Platz zwei vor:

Der Erfolg bleibt ihm verwehrt – doch er weiß: Am Ende zählt jedes Spiel. (Archivbild)

Ohne Buvaysar – mit Kampfgeist: Bocchi beißt sich rein

Die Marienburger mussten in Berlin auf Buvaysar Gadamauri verzichten – die Pflicht rief ihn anderswo. So rückte Lorenzo Bocchi (Jahrgang 1997) auf Position zwei ins Team. Nach seinem überzeugenden Sieg gegen Daniel Masur im Heimspiel ging der Italiener mit gestärktem Selbstbewusstsein in die erste Einzelrunde. Sein Gegner: Ryan Seggerman (1999) aus den USA, aktuell Nummer 480 der ATP-Weltrangliste.

Und der Amerikaner wurde seiner Platzierung gerecht. Mit druckvollem Spiel sicherte er sich den ersten Satz deutlich mit 6:1. Doch Lorenzo wäre nicht Lorenzo, wenn er sich so leicht geschlagen gäbe. Er blieb im Spiel, kämpfte sich zurück – und verlangte Seggerman im zweiten Satz alles ab. Am Ende stand es 5:7 aus Sicht des MSCers.

Der Sieg blieb aus, doch das knappe Ergebnis könnte am Ende noch zählen – denn jedes einzelne Spiel macht einen Unterschied.


Großer Moment für Yannic Nittmann:

In Berlin feiert der MSC-Youngster seinen allerersten Sieg in der Bundesliga – ein Tag, den er so schnell nicht vergessen wird. (Archivbild)

Erster Bundesligasieg: Yannic Nittmann ist angekommen

In Berlin rückte Yannic Nittmann (Jahrgang 2007) auf Position vier der Mannschaftsmeldeliste. Dort traf er auf Jonas Pelle Hartenstein (2001). In seinen ersten beiden Einsätzen war es ihm noch nicht gelungen, seine Leistung voll abzurufen – er haderte mit seiner Vorhand, mit der Bespannung, vielleicht auch ein wenig mit sich selbst.

Doch diesmal war etwas anders. Vielleicht war es genau der richtige Tag, um den Frust loszuwerden, die Unzufriedenheit in die richtigen Bahnen zu lenken – und endlich in der 2. Bundesliga anzukommen.

Und Yannic zeigte, was in ihm steckt: Mit 6:1 holte er sich den ersten Satz. Im zweiten musste er ein 3:6 hinnehmen und so ging es in den Matchtiebreak. Jetzt hieß es: Nerven bewahren, mutig bleiben, Punkt für Punkt mit maximaler Konzentration.

Das gelang ihm perfekt. Beim Stand von 10:9 verwandelte er den Matchball – und feierte seinen ersten Bundesligasieg.

Ja, Yannic ist angekommen.


Philipp Bosse bleibt nervenstark

… und feiert im entscheidenden Moment seinen ersten Bundesligasieg. (Archivbild)

Solide statt spektakulär: Philipp Bosse feiert Premierensieg

Auch Philipp Bosse (Jahrgang 2004) hatte in den bisherigen Einzelspielen noch nicht zu seiner Form gefunden. Nach der klaren Niederlage im Auftaktspiel hoffte auch er auf Wiedergutmachung. Sein Gegner: Niclas Braun (1996), für die Berliner an Position 15 gemeldet – deutlich erfahrener, aber nicht unbezwingbar.

Und tatsächlich: PhiBo nutzte seine jugendliche Energie geschickt aus, setzte Braun unter Druck und sicherte sich den ersten Satz mit 6:4.

Im zweiten Durchgang wurde es enger. Lange Ballwechsel, intensive Momente – am Ende ging der Satz mit 7:5 an den Berliner. Wieder musste die Entscheidung im Matchtiebreak fallen – ein weiteres Zeichen dafür, wie eng es in der 2. Bundesliga zugeht.

Doch Philipp blieb konzentriert. Er spielte agil, verzichtete auf verspielte Kunststücke – und belohnte sich mit einem soliden, reifen Auftritt. Mit 10:8 holte er sich seinen ersten Sieg im Einzel auf Bundesliga-Ebene.

Chapeau, PhiBo!


John Sperle kämpft

Johnny muss an Position eins alles geben, um gegen Jungstar Diego Dedura überhaupt eine Chance zu haben. (Archivbild)

Sperle an Eins geht am Limit

Mit dem Sieg von Philipp Bosse gingen die Marienburger in der ersten Einzelrunde mit 2:1 in Führung. Doch da »Sokrates« alias Buvaysar Gadamauri diesmal fehlte, musste John Sperle (Jahrgang 2002) auf Position eins antreten – eine harte Probe für den Kölner.

Johnny hatte zuvor beide Einzel im Matchtiebreak gewonnen und im Doppel mit Julius Seifert ebenfalls über die Extrameile triumphiert. Nur das letzte Doppel war ihm im Tiebreak entglitten. Die zähen Fights steckten noch in den Knochen – und nun wartete auf ihn kein Geringerer als Diego Dedura (Jahrgang 2008), die Nummer 352 der ATP-Weltrangliste.

Und doch begann Johnny stark – ungewohnt stark. Den ersten Satz entschied er mit 6:4 für sich. Bahnte sich hier die nächste Überraschung an? Wieder klopfte er sich zweimal mit der Faust auf die Brust. Doch Dedura, gerade einmal 17 Jahre alt, ist kein Unbekannter auf der Profitour. Ein »Rising Star« im deutschen Tennis, der vor wenigen Wochen noch die Qualifikation bei den 1000er ATP-Masters in Madrid gespielt hatte.

Er wusste, was zu tun war – und holte sich den zweiten Satz. Matchtiebreak. Wieder. Zweimal hatte Johnny diese Herausforderung schon gemeistert. Doch diesmal war der Gegner zu stark. Der Berliner ging früh in Führung und ließ nichts mehr anbrennen.

Mit 10:3 holte sich Dedura den Sieg – und Johnny musste seine erste Einzelniederlage in der 2. Bundesliga hinnehmen.


Für Christian Hansen ist kein Kampf zu groß:

Er gibt alles für sein Team – und noch mehr darüber hinaus. (Archivbild)

Kapitän Hansen hält dagegen – trotz 15 Jahren Unterschied

Auch Teamkapitän Christian Hansen (Jahrgang 1988) bekam einen echten Brocken vor die Brust gesetzt: Michael Agwi (2003) aus Irland, zehnter Mann auf der Berliner Meldeliste – und der erste ohne ATP-Weltranglistenposition. Im DTB ist er allerdings auf Rang 17 gelistet; Christian liegt auf Platz 50 – allerdings in einer anderen Altersklasse. 15 Jahre Unterschied. Na und?

Christian zeigte, was in ihm steckt. Mit kraftvollem Spiel machte er es dem Iren schwer, den ersten Satz überhaupt zu holen – 6:4 aus Sicht des Berliners. Auch im zweiten Satz blieb es ein zähes Ringen, auch wenn das Ergebnis klarer ausfiel: 6:2. Aber der Aufwand, den Agwi betreiben musste, blieb derselbe.


Julius Seifert kommt mit Rückenwind ins Match:

Doch der zwei Jahre jüngere Russe ist an diesem Tag einen Tick stärker. (Archivbild)

Angekommen – doch diesmal ohne Belohnung

Julius Seifert (Jahrgang 2003) traf auf den Russen Maxim Zhukov (2005), der als Nummer 61 der deutschen Rangliste eine deutlich bessere Platzierung vorweisen konnte. Doch auf dem Platz zählt mehr als nur Statistik – das hatte Julius mit seinem jüngsten Sieg bereits unter Beweis gestellt.

Mit Rückenwind und neuem Selbstbewusstsein ging er in die Partie. Er war präsent, kämpferisch – angekommen in der Liga. Doch es fehlte das letzte Quäntchen Glück. Nur wenige entscheidende Punkte machten den Unterschied. Am Ende musste er sich mit 3:6 und 4:6 geschlagen geben.


Diesmal keine Siebener-Kombi für die Doppel.

In einem Moment der Ruhe trifft Coach Dirk Hortian (links) seine Wahl. (Archivbild)

Drei Doppel, drei Chancen – alles oder nichts

Nach einer 2:1-Führung lagen die Marienburger nach den Einzeln nun 2:4 zurück. Wollten sie sich in Berlin mit einem Sieg belohnen, mussten alle drei Doppel gewonnen werden – eine ordentliche Aufgabe. Doch gerade im Doppel haben die Kölner ihre Stärken schon mehrfach unter Beweis gestellt.

Erst zwei Tage zuvor hatten sie zwei Doppelsiege im Matchtiebreak-Krimi erkämpft, das dritte Doppel ging ebenso knapp im Tiebreak verloren. Es geht also – wenn es muss.


Routiniers mit starkem Auftritt – doch das Quäntchen Glück fehlt

Lorenzo Bocchi und Christian Hansen hatten sich als Doppel bereits mehrfach bewährt – ein eingespieltes, erfahrenes Team. Im ersten Doppel trafen sie auf den US-Amerikaner Ryan Seggerman und den Iren Michael Agwi.

Der erste Satz verlief auf Augenhöhe und musste im Tiebreak entschieden werden – mit dem besseren Ende für die Gastgeber. Im zweiten Satz setzten sich die Berliner dann deutlich mit 6:2 durch und auch der Sieger dieser Partie war damit entschieden.


Sperle und Seifert mit starker Doppel-Bilanz

Die Kombination aus John Sperle und Julius Seifert hatte sich bereits bewährt – im ersten Saisonspiel holten sie gemeinsam den zweiten Matchpunkt für den MSC. Auch in Berlin zeigten sie, dass mit ihnen zu rechnen ist. Im zweiten Doppel trafen sie auf den erfahrenen Niederländer David Pel (1991) und den jungen Diego Dedura. Den ersten Satz sicherten sich die Kölner mit 6:4 und standen kurz davor, das Match in zwei Sätzen zu entscheiden. Doch der zweite Durchgang ging an die Gastgeber – das Matchtiebreak – das vierte des Tages – musste erneut die Entscheidung bringen. Wieder wurde es eng, wieder wurde gezittert. Am Ende setzten sich die Marienburger mit 10:7 durch und holten einen weiteren wichtigen Punkt.


Fünfter Krimi, diesmal mit Berliner Happy End

Auch Yannic Nittmann hatte seine Doppelstärke bereits unter Beweis gestellt – diesmal stand er mit dem aufschlagstarken David Korsten (1996) auf dem Platz. Auf der anderen Seite: Jonas Pelle Hartenstein und der Russe Maxim Zhukov. Die Kölner starteten stark und holten sich den ersten Satz mit 6:3. Doch der zweite Satz ging mit 3:6 an die Gastgeber – wieder Matchtiebreak, zum fünften Mal an diesem Tag. Drei dieser Nervenkrimis hatten bisher die Marienburger gewonnen, nur Johnny musste seinen Einzelpunkt in der Verlängerung abgeben. Doch diesmal kippte das Pendel nach Berlin: Mit 10:4 holten sich die Blau-Weissen den letzten Doppelpunkt. Endstand: 6:3. Glückwunsch nach Charlottenburg!


Trotz Niederlage: Marienburger bleiben auf Kurs

Trotz der Niederlage in Berlin halten sich die Marienburger weiterhin auf Platz sechs der 2. Bundesliga – ein Zwischenstand, der Mut macht, aber keinen Spielraum für Nachlässigkeiten lässt. Denn in dieser Woche wartet bereits das vierte Berliner Team:

Am kommenden Freitag, den 26. Juli, empfängt unsere Herrenmannschaft ab 13 Uhr den aktuellen Tabellenführer TC Grün-Weiss Nikolassee 1925 im Forstbotanischen Garten.

Der offizielle Spielbericht ist hier zu sehen.

Alle Ergebnisse der 2. Bundesliga Nord findet ihr hier.

Text und Grafik: Ronny Edelstein

Im Geiste der Mannschaft: Mit einem lauten „MSC!“ schwört sich das Team auf das Match ein – ein festes Ritual, das Zusammenhalt stiftet und Energie freisetzt.
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Ronny Edelstein

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