2016Tennis

Willis‘ Wimbledon-Märchen endet mit einem fantastischen Kapitel

Marcus Willis feierte mit den 15.000 Zuschauern am Centre Court. Jedes Ass, jeden Winner. Am Ende macht unser Herrenspieler sieben Spiele gegen Rasenkönig Roger Federer. Es ist der größte Tennismoment unseres britischen Linkshänders. Am Ende ist er nach der spektakulären 0:6, 3:6, 4:6-Niederlage nicht gänzlich glücklich. Trotzdem: „Wir alle können sehr stolz auf Marcus sein“, sagte unser Mannschaftsführer Christian Hansen nach dem Spiel.

„Shoes up if you love Willis“, skandierten seine besten Freunde am Montag im Erstrundenspiel unseres Herrenspielers Marcus Willis in Wimbledon. Voll motiviert gewann er erstaunlich souverän in drei Sätzen sein Debüt-Match gegen Ricardas Berankis, seinerseits immerhin die Nummer 54 der Welt. Danach faszinierte die Geschichte von unserem britischen Linkshänder – der seine Karriere schon für einen Trainerjob in den USA beenden wollte, bis schließlich seine neue Liebe Jennifer ihn davon abhielt – nicht nur mehr den MSC.

Die britische Presse schrieb von einer „fantastischen Story“. Federer, sein Gegner am heutigen späten Mittwochnachmittag, findet „Willis‘ Geschichte die beste, die der Tennissport seit Jahren geschrieben hat.“ Unser sympathischer Herrenspieler war der Publikumsliebling im heutigen Spiel gegen Federer. Und das im Wohnzimmer des Rasenkönigs.

Unsere Nummer 772 der Welt brauchte trotzdem etwas, um gegen Federer, die Legende, der Nummer drei der ATP-Liste und somit 769 Plätze über unseren Willis stehend, in die Partie zu kommen. „Marcus war sichtlich nervös“, sagte der Mannschaftsführer unserer 1. Tennisherren und Ur-MSCer Christian Hansen nach dem Spiel. „Das ist aber verständlich, schließlich ist es ein Wahnsinnserlebnis gegen die Legende Federer spielen zu dürfen – und das auch noch in seinem Wohnzimmer Wimbledon.“

Auch für Christian Hansen und unseren ganzen Club ist die Geschichte unseres britischen Linkshänders eine Wahnsinns-Geschichte. Bereits in der Vorberichterstattung schaltet Sky Sport live in unseren Club – und interviewt eben Christian Hansen. Ob unser Ur-MSCer schon einmal gegen Marcus Willis gewonnen hätte, fragen die Sky-Kommentatoren. „Im Training haben wir natürlich schon mal gespielt, da hat er mich geschlagen“, gibt Christian zu. Und lacht. „Aber damals hatte ich noch Chancen. So, wie Marcus momentan spielt, wäre ich froh, wenn ich nur ein Spiel machen würde.“

Auf sein erstes Wimbledon-Spiel musste Marcus einen ganzen Satz warten: Mit 0:6 verlor unser Herrenspieler den ersten Durchgang deutlich, war sichtlich nervös und hatte Mühe, in sein „unorthodoxes Spiel“ zu kommen, wie Willis seinen Stil selbst beschreibt. Andere Erfolge feierte er dennoch bereits: ein Ass, einen Winner, einen Stopp. Er spielte immer wieder mit – und hatte seine Chancen. Die Zuschauer liebten dieses Spiel. Und applaudierten nach jedem Schlag.

Willis freute sich mit ihnen, den jubelnden Briten, riss die Arme nach oben, lächelte. Und das, obwohl sein Roger Federer-Shirt vom Schweiß durchnässt war.

Trotzdem: Ab Satz zwei war unser Herrenspieler drin. Mit fantastischen Aufschlägen und mehreren Netzangriffen ärgerte Marcus Willis den Rasenkönig sichtlich. Standing Ovations im Publikum. Aber auch Standing Ovations in unserem Club, in dem viele MSCer mitfieberten. „Als Marcus im zweiten Satz der erste Spielgewinn gegen Federer gelang, haben wir das groß gefeiert“, verriet Christian Hansen auch im Sky-Interview nach dem Spiel. Dennoch, am Ende kommt Federer auch in Satz zwei zu seinem Break – und gewinnt eben jenen Durchgang mit 6:3.

Das letzte große Kapitel seines ganz speziellen Märchens schrieb Marcus Willis schließlich in Satz drei. Zum ersten Mal in seiner Karriere ging er auf dem Wimbledon-Centre Court in Führung, Federer rannte anschließend bis Spiel neun einem Rückstand hinterher. Doch dann zeigte der Rasenkönig, die Legende Federer, seine ganze Klasse. Und ließ unserem sichtlich kaputten, aber noch immer lachenden und mit dem Publikum spielenden Herrenspieler keine Comeback-Chance mehr. 6:4 geht auch Satz drei an den Schweizer.

„Ich bin erschöpft, ich habe mir jetzt ein Bier verdient“, sagte Willis nach seinem Spiel in die Kameras. Glücklich war er mit dem Ende seiner Geschichte dennoch nicht: „Es klingt lustig – aber ich bin enttäuscht.“ Natürlich hat unser Herrenspieler bis zum Schluss an seine Chance geglaubt. Natürlich hat er versucht, das Spiel doch noch irgendwie mit seinem ganz eigenen Stil zu drehen. Das hatte Marcus Willis schließlich am Montag auf der Pressekonferenz angekündigt.

„Wir können trotzdem alle sehr stolz sein, wie Marcus den MSC repräsentieren konnte“, sagte Christian Hansen. Und auch Roger Federer adelte unseren Herrenspieler, dessen Geschichte er ja bekanntlich schon vor der heutigen Partie liebte: „Es war eines der Spiele, an die ich mich immer erinnern werde.  Marcus  hat sein Talent aufblitzen lassen. Ich hoffe, dass er so weiter macht.“

Das hoffen auch unsere Herren. Sie glauben, dass das Wimbledon-Märchen von Willis unserem Briten nochmal einen Schub geben kann. Den will er mit in unseren MSC bringen. Schließlich trug er unsere Club-Jacke mit Stolz über die Wimbledon-Anlage, wie er an Christian Hansen schrieb.

Der sagte zum Abschluss: „Roger Federer war am Ende eine Klasse zu gut für ihn, aber unser Marcus ist der Sieger der Herzen. Wenn er wieder zur Regionalliga-Saison nach Köln kommt, wird es eine große Willkommensfeier geben.“ Und vielleicht schreibt Marcus hier mit unseren 1. Tennisherren sein Märchen ja doch noch weiter.

Hinweis: Ihr habt das Match verpasst? Dann schaut euch hier kostenlos die Zusammenfassung der Partie Marcus Willis vs. Roger Federer an. (Foto: red)

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Tillmann Becker-Wahl

Tillmann Becker-Wahl

Im MSC für die Kommunikation, Berichterstattung und Social Media verantwortlich. Wenn Tillmann nicht für die Hockeyherren auf dem Platz steht oder seine Tennisschuhe schnürt, dann studiert er in Köln BWL. Er hat zudem eine zweineinhalbjährige Ausbildung an der Kölner Jouranlistenschule genossen - unter anderem mit Stationen bei SPIEGEL ONLINE und dem Hamburger Abendblatt. Ein echter Content-Experte. Kürzel: tbw.

1 Kommentar

  1. 29. Juni 2016 at 22:37 —

    Das ist ein sehr schöner Artikel, lieber Tillmann.

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