
Nach sechs Jahren Tischtennis beim FC Junkersdorf und TTC Lövenich – davon vier Jahre im Para-NRW-Talent-Team mit Teilnahmen an Landesmeisterschaften sowie Deutschen Jugend- und Erwachsenenmeisterschaften – wechselte Benjamin im Herbst 2025 im Alter von 16 Jahren zum Tennis. Ausschlaggebend war sein Wunsch, sich mehr zu bewegen und „Strecke zu machen“, statt überwiegend an der Platte zu stehen, sowie die Möglichkeit, zumindest im Sommer an der frischen Luft zu spielen. Den entscheidenden Impuls gab das Para-Standing-Tennis-Nachwuchscamp der Gold-Krämer-Stiftung, das im August 2025 im TC Weiden unter der Leitung von Nicklas Höfken stattfand. Das war genau das richtige für ihn mit seiner körperlichen Beeinträchtigung auf der linken Seite.
Da im Winter bereits sämtliche Hallenplätze und Trainingszeiten beim TCW vergeben waren, machte ein sofortiger Vereinsbeitritt zunächst wenig Sinn.
Dank der großartigen Unterstützung des Projekts „Tennis für alle“ der Gold-Krämer-Stiftung konnte er ab Oktober beim Marienburger SC in der Trainingsgruppe für Tennisspieler mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung unter Martijn Crezee einmal pro Woche mit viel Freude und großem Engagement trainieren. Eine tolle Partnerschaft, die der MSC da ermöglicht.

Im Dezember nahm er am Para-Standing-Tennis-Camp in Starnberg teil. Dort traf er erstmals auf nahezu alle damals bekannten PST-Spieler Deutschlands. Das Camp begeisterte ihn so sehr, dass ihm die Trainer aufgrund seines Talents und seines Einsatzwillens die Teilnahme an der Para-Standing-Tennis-Weltmeisterschaft 2026 in Turin empfahlen. Da sich PST noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet und erst seit rund zweieinhalb Jahren existiert, bestand sogar die Möglichkeit, über ein Freilos einen Startplatz zu erhalten. Sinnvoll war jedoch, zuvor bereits Turniererfahrung innerhalb der Community gesammelt zu haben. Das einzige verfügbare internationale Turnier zu diesem Zeitpunkt waren die Malmö Open im Februar 2026, deren Anmeldeschluss nur wenige Tage entfernt war. Kurzerhand meldeten wir Benjamin dort an.
Bei den Malmö Open trat Benjamin in diesem Jahr nun sowohl in der Einzelkonkurrenz der Erwachsenen als auch im Doppel an. Im Einzel schied er zwar früh aus, konnte jedoch im Doppel gemeinsam mit seinem 17-jährigen norwegischen Partner einen hervorragenden dritten Platz und damit die Bronzemedaille erreichen.
Seit April wird Benjamin zusätzlich durch die Stiftung „Tennis vs. Handicap“ von Martijn Crezee gefördert und erhält dadurch eine weitere wöchentliche Trainingseinheit beim Marienburger SC.

Im Mai begann schließlich auch das Training beim TC Weiden. Dort erhält er einmal pro Woche Einzeltraining sowie einmal pro Woche Gruppentraining. Mit insgesamt vier Trainingseinheiten pro Woche startete anschließend die intensive Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft.

Vom 17. bis 21. Juni 2026 nahm Benjamin an der Para-Standing-Tennis-WM in Turin teil. Über 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 30 Nationen und von sechs Kontinenten gingen dort an den Start. Ein besonderes Highlight war die Teilnahme an einer Coaching Clinic für Junioren mit Diego Nargiso, ehemaliger ATP-Weltranglisten-67. und laut Aussage der Organisatoren einer der renommiertesten Tennistrainer Italiens. In der Doppelkonkurrenz der Erwachsenen schied Benjamin zwar in der ersten Runde aus, verabschiedete sich jedoch mit einer respektablen Leistung und einer knappen Niederlage. Auch im Junioren-Einzel unterlag er in der ersten Runde nur knapp einem Gegner mit geringerer Beeinträchtigung und rund sechs Jahren Tenniserfahrung – gegenüber Benjamins damals erst acht Monaten Tennispraxis. In der anschließenden Trostrunde blieb er jedoch ungeschlagen, gewann sämtliche Einzelpartien und durfte schließlich als Sieger der Trostrunde die Ehrung durch PST-Präsident entgegennehmen.


Nun richtet sich der Blick auf die weitere Saisonplanung für die zweite Jahreshälfte. Dabei stehen mögliche internationale Turnierteilnahmen unter anderem in Paris, Lillehammer und Dublin auf dem Programm.
Para Standing Tennis (PST) ist eine noch junge Parasportart für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, die im Stehen Tennis spielen. Die ersten organisierten Strukturen entstanden in den 2010er-Jahren, insbesondere in Mexiko, Südamerika und den USA. International sichtbar wurde die Sportart vor allem ab 2023. In diesem Jahr wurde PST unter anderem bei den US Open sowie den Italien Open präsentiert und gewann dadurch deutlich an Aufmerksamkeit.
Ein wichtiger Meilenstein folgte 2024, als die International Tennis Federation (ITF) erstmals offiziell die Weltmeisterschaft in Turin sowie die Europameisterschaft in Barcelona unterstützte. Im Jahr 2025 wurden die beiden Veranstaltungen ausgetauscht: Die Weltmeisterschaft fand in Barcelona statt, während die Europameisterschaft in Turin ausgetragen wurde. Für diese Jahr fand die Weltmeisterschaft erneut in Turin statt. Auf die Durchführung einer Europameisterschaft wurde jedoch verzichtet, da die verfügbaren Kapazitäten in den weiteren Aufbau der Sportart investiert wurden du werden. Dazu gehören insbesondere die Entwicklung eines internationalen Turnierkalenders, einer Weltrangliste sowie eines einheitlichen Klassifizierungssystems.
Die IPSTA (International Para Standing Tennis Association) verfolgt das Ziel, Para Standing Tennis als offizielle Tennisdisziplin weltweit in die Strukturen der nationalen und internationalen Tennisverbände zu integrieren. Gleichzeitig sollen mehr weibliche sowie jüngere Spielerinnen und Spieler für die Sportart gewonnen werden. Langfristig wird die Aufnahme von PST in die Paralympischen Spiele – idealerweise bereits 2032 in Brisbane – sowie die Integration in die Grand-Slam-Turniere angestrebt.
Um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten, werden die Athletinnen und Athleten in verschiedene Klassen eingeteilt.
Die Klassifizierung erfolgt über ein standardisiertes Verfahren. Hierfür wird ein entsprechendes Formular ausgefüllt, entweder gemeinsam mit einer Ärztin bzw. einem Arzt oder eigenständig. Ergänzend müssen medizinische Unterlagen beziehungsweise Nachweise zur Beeinträchtigung eingereicht werden.
Die internationale Entwicklung von PST zeigt sich auch an den stetig wachsenden Teilnehmerzahlen. Bei den gerade gespielten Weltmeisterschaften vom 18.-21.06.2026 in Turin nahmen zuletzt über 110 Spielerinnen und Spieler aus mehr als 30 Nationen von sechs Kontinenten teil. Auch in Deutschland befindet sich Para Standing Tennis in einer dynamischen Wachstumsphase. Allerdings ist PST bislang noch keine vollständig etablierte Leistungssportstruktur innerhalb des Deutschen Tennis Bundes (DTB), wie dies beispielsweise im klassischen Tennis oder im Rollstuhltennis der Fall ist. Einen offiziellen DTB-Bundeskader speziell für PST gibt es derzeit noch nicht. Die Förderung erfolgt aktuell vor allem über Inklusionsprojekte, Vereine und einzelne Verbände.
Ein wesentlicher Motor der Entwicklung in Deutschland ist die Gold-Kraemer-Stiftung, die PST unter dem Motto „Tennis für Alle“ etabliert hat. Die Sportart wächst kontinuierlich: Derzeit engagieren sich etwa 36 Athletinnen und Athleten, rund 52 Personen im deutschsprachigen Raum (DACH) sowie etwa 295 international. Zudem werden bereits nationale Trainingscamps organisiert, beispielsweise in Leverkusen, München und vermutlich Starberg im Dezember. Darüber hinaus wird Para Standing Tennis regelmäßig bei Inklusionstagen von größeren Turnieren präsentiert, etwa im Rahmen der BOSS Open in Stuttgart.
Ansprechpartner für Para Standing Tennis in Deutschland ist Niklas Höfken (niklas.hoefken@gold-kraemer-stiftung.de). Als „Country Representative“ koordiniert er das nationale Geschehen im Para Standing Tennis und engagiert sich ehrenamtlich als Experte für Inklusion und Parasport beim DTB. Darüber hinaus ist er Projektleiter von „Tennis für Alle“ bei der Gold-Kraemer-Stiftung sowie Bundestrainer für Rollstuhltennis beim Deutschen Paralympischen Komitee.
Weitere Informationen sind unter tennis-fuer-alle.de und parastandingtennis.com erhältlich.